Heute heißt es früh aus den Federn, anständig frühstücken und nicht mit dem Magnesium geizen, denn die Wanderung nach Cala Tuent, entlang der Küste, hat es wirklich in sich.
Unsere Tagestour startet und endet am Restaurant Mirador de ses Barques (Google Maps), ca. 10km entfernt von Port de Sóller. Da die Kombination aus Busfahrt & Wandern sich für uns auf Mallorca bereits mehrfach bewährt hat, greifen wir auch heute wieder auf den öffentlichen Nahverkehr zurück.
Falls ihr hingegen mit dem Auto oder Roller unterwegs seid, stehen euch genügend Parkplätze vor und gegenüber dem Restaurant zur Verfügung. Für alle Bus-Fans befindet sich die Haltestelle direkt vor dem Restaurant. Google Maps zeigt hierfür keine direkte Verbindung an, aber wir sind mit der Buslinie 231 (Port de Sóller > Alcúdia) problemlos am Restaurant angekommen. (Fahrplan tib Linie 231).
Zum Küstenpfad nach Cala Tuent
Der Einstieg zur Route befindet sich rechts vom Restaurant und führt über die Treppen den schmalen Weg hinauf. Schon der erste Weitblick auf Port de Sóller lässt uns zwei Dinge erahnen. Wir dürfen uns auf spektakuläre Eindrücke freuen und wir werden verdammt viele Höhenmeter zurücklegen. 😀
Die ersten beiden Kilometer unserer Tour (komoot Link) sind jedoch sehr entspannt und ziehen sich durch weites, offenes Gelände. Es dominieren terrassenförmige Olivenhaine, die von hohen Bergen umzingelt sind. Durch die unterschiedlichen Höhenprofile, zusammen mit der weiten Sicht, entsteht eine faszinierende Tiefenwahrnehmung in der gesamten Landschaft, die sich auf den Bildern nur erahnen lässt. Ich blicke immer wieder staunend in alle Richtungen, weil sich überall neue Blickwinkel ergeben. Ein wirklich wunderschöner Auftakt.
Hin und wieder zeigen sich auch ein paar Ziegen und Schafe, während man den Bergen Schritt für Schritt näher kommt. Die Route passiert nun ein kleines Waldstück und verläuft über schmale Pfade und steinerne Treppen zunächst bergab. Den nahenden Berg vor Augen, führt das bei mir zu gemischten Gefühlen, denn ich weiß, dass ich die Höhenmeter im Anschluss gleich wieder wettmachen darf. Dieses Gefühl wird sich wiederholen, aber dazu später mehr. 😀



Hinter den 7 Bergen..
…okay, in dem Fall ist es nur ein Berg, aber er fühlt sich fast wie 7 Berge an. Und ich gebe zu, mir ist der ein oder andere Fluch über die Lippen gekommen, bis wir oben ankamen. Es ist schon sehr steil und neben einer guten Kondition ist man ohne gutes Schuhwerk sowohl bergauf als auch bergab ziemlich aufgeschmissen. Ich möchte an dieser Stelle trotzdem keinen entmutigen, denn der Küstenpfad, der sich euch nach der Berg-Passage präsentiert, ist phänomenal und absolut jeden Muskelkater wert. Nicht zu vergessen das Gefühl, wenn man den steilen Aufstieg geschafft hat und zurück ins Tal blicken kann.
Nach einer kurzen Verschnaufpause und nicht ganz ohne Stolz, lassen wir den Bergpass hinter uns und laufen nun wieder bergab durch den Wald. Man könnte fast behaupten immer der Nase nach, denn man riecht das Meer bereits näher kommen. Und dann plötzlich lichtet sich der Wald und man steht mitten im Berg in einer traumhafter Kulisse. Zur Linken das Meer mit einer kleinen Bucht, zur Rechten der steile Bergrücken mit seinen riesigen, massiven Felsen.
Mit dem Einstieg in den malerischen Küstenpfads, sind auch alle Anstrengungen vergessen und ich genieße die herrliche Natur mit jedem Schritt. Einen echten Geheimtipp muss ich euch gleich mit ans Herz legen. Haltet Ausschau nach dem großen Felsen an dieser Position (Google Maps).
Wir hatten die Stelle durch Zufall entdeckt und alle anderen Wanderer liefen in dieser Zeit achtlos dran vorbei, aber sie ist perfekt für eine kleine Pause oder ein spektakuläres Urlaubsbild, (Sendet mir hierzu gerne Feedback, ich bin super gespannt wie euch die Stelle gefallen hat. )





Halbzeit im Restaurant “Es Vergeret”
Als die Sonne nun ebenfalls ihren Weg über den Bergkamm gefunden hat, beginnt die Natur schlagartig zu erstrahlen und zeigt sich im saftigen Grün mit leuchtenden Farben. Sonnencreme sollte man also auf keinen Fall vergessen und auch unsere Getränkeflaschen leeren sich schneller alles gedacht.
Wie gut, dass wir perfekt zur Mittagszeit unser Ziel mit dem Restaurant “Es Vergeret” (Google Maps), oberhalb der Bucht von Cala Tuent erreicht haben.
Zu unserer Überraschung war die große Terrasse des Restaurants fast komplett besetzt, so dass wir sehr froh waren noch einen freien Tisch zu ergattern. Wir hatten einen leckeren Tomaten-Thunfischsalat mit verschiedenen Tapas (u.a. Shrimps und Tintenfischringe) und können die Einkehr hier bedenkenlos weiterempfehlen. Es gab viele Einheimische die hier aßen und auch die Preise waren fair.
Allzu gemütlich sollte man es sich jedoch nicht machen, denn der Rückweg wird noch äußerst sportlich. Den Abstecher hinunter zum Strand haben wir deshalb übersprungen und uns direkt nach dem Essen auf den Rückweg gemacht.
Kaum wenige Minuten nachdem wir das Restaurant verlassen haben, empfängt uns die Natur erneut von ihrer schönsten Seite. Frisch erholt freuen wir uns über den herrlichen Sonnenschein und den prächtigen Pfad, der ausreichend schattige Plätzchen für die ein oder andere Trinkpause parat hält.



It’s getting hot out there..
Auch wenn mit Sonne alles doppelt so viel Spaß macht, freut man sich doch zunehmend über die schattigen Abschnitte. Mit der steigenden Temperatur werden die Trinkpausen deutlich zahlreicher, gleichzeitig nimmt die Transpiration merklich zu. So langsam kommt man ins Schwitzen.
Ein letzter Blick aufs Meer, dann schlagen wir wieder den Weg in den Wald ein. Hinauf zum Bergpass. Ihr erinnert euch noch an meine Gedanken zu Auf- und Abstieg? – Hier bekommt man jedenfalls das volle Programm, denn der steile Aufstieg zum Pass wird direkt belohnt mit einem noch steileren Abstieg, nur um dann unten angekommen, die selbe Steigung auf der anderen Seite wieder hinauf zu wandern.
Und während mir so ziemlich jeder einzelne Muskel in meinen Beinen brennt, wird mir augenblicklich klar warum Menschen Tunnel bauen! 😀
Aber ernsthaft, die steilen Höhenmeter stellen nicht nur Kondition und Muskulatur auf die Probe, sondern auch die Gelenke. Zumindest für mein Fitness-Level lag das im oberen Schwierigkeitsbereich. Die Notwendigkeit von gutem und vor allem passenden Schuhwerk, sei hiermit noch einmal betont.
Und nehmt unbedingt genügend Wasser mit. Die Höhenmeter bringen einen ordentlich ins Schwitzen und der Rückweg durch die Olivenhaine bietet kaum Schatten. (Außer man gesellt sich zu den Schafen.) Uns ist beim Klettern auf einen Fels blöderweise eine Wasserflasche abhanden gekommen und so mussten wir am Ende das Wasser rationieren, was bei der prallen Sonne nicht gerade optimal ist. Aber auch das hat uns die gute Laune nicht verderben können und nur die Vorfreude auf eine kühle Belohnung gesteigert.
Schlussendlich im Ziel angekommen, hat uns diese Belohnung auch nicht enttäuscht. Wir konnten unseren Durst bei einer spektakulären Aussicht auf der großen Terrasse des Restaurants löschen und auch die verschwitzten Klamotten bequem in den Toilettenräumen wechseln. So erholten wir uns frisch und zufrieden auf der Terrasse bis der Bus kam, der uns zurück nach Port de Sóller brachte. – Erschöpft, aber sehr glücklich.


Das heutige Fazit:
Ohne Fleiß, kein Preis. Klingt furchtbar abgedroschen, trifft aber einfach zu.
Mit Sicherheit eine der schönsten, wenngleich anstrengendsten Touren die ich bisher erleben durfte. Dennoch eine klare Empfehlung von mir, denn denkt immer daran:
Muskelkater vergeht, Erinnerungen bleiben..